Auf ein Wort

Dr. Martin Fricke
von Dr. Martin Fricke

Es wurde viel gewählt in letzter Zeit. Die CDU hat einen neuen Vorsitzenden, die Evangelische Kirche im Rheinland auch. Und Amerika hat endlich wieder einen Präsidenten.

Der Tag seiner Einführung war beeindruckend und bedrückend zugleich. Beeindruckend der feierliche und doch schlichte, gerade einmal 30sekündige Amtseid, beeindruckend auch Jo Bidens Antrittsrede, getragen von Pathos und Ernst. Bedrückend aber die Bilder von Washington als Hochsicherheitstrakt, bedrückend die Erinnerungen an den Sturm des Mobs auf das Kapitol vor gerade einmal zwei Wochen. Und: Der bisherige Stelleninhaber fehlte. Kein Glückwunsch, nicht einmal der Anflug einer geordneten Amtsübergabe.

Dass es anders geht, haben wir im Herbst bei der Kommunalwahl in Düsseldorf erlebt. Vielleicht erinnern Sie sich noch an das Bild, das im Nachhinein einen Sonderpreis bei der Wahl zum NRW-Pressefoto des Jahres bekam: Der scheidende OB Thomas Geisel gratuliert seinem gerade gewählten Nachfolger Stephan Keller mit einer tiefen Verbeugung und einem Händedruck, der vor allem den Wunsch nach Segen und Bewahrung sichtbar macht. Die Jury schrieb dazu: „Der Unterlegene anerkennt den Willen der demokratischen Mehrheit, verneigt sich vor der demokratischen Entscheidung des Wahlvolks.“

In der Demut vor dem freien Willen und den Freiheitsrechten aller zeigt sich die Stärke einer Gemeinschaft und einer/eines jeden einzelnen von uns. Diese Stärke offenbart sich umso mehr, wenn sie mit einer persönlichen Niederlage verbunden ist. Denn sie findet ihre Erfüllung in einer Freiheit, die größer ist als die meines kleinen Egos. Oder, um es mit den Worten des neuen Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, zu sagen:

Was Tyrannen nie begreifen
Meine Freiheit endet nicht,
wo Deine Freiheit beginnt.
Sie fängt in ihr erst an.
Alles andere ist einsame Willkür
von Sklaven höheren Grades.[1]


Sklaverei oder Freiheit – wir haben die Wahl. An jedem Tag, den der Ewige uns schenkt. Seien Sie behütet!


[1] Thorsten Latzel, Trotzdem. Von der geistlichen Kraft zum Widerstand in einer verrückten Welt, Norderstedt 2019

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