Ein Lob auf das Loben

von Pfarrerin
Heike Schneidereit-Mauth

Es ist so einfach in dieser Coronapandemie alles blöd zu finden. Sehr viele sagen in diesen Tagen: Das könnte besser laufen! Da wurden Fehler gemacht! Warum hat man nicht früher, anders reagiert?

Menschen neigen dazu, die Dinge in den Blick zu nehmen, die nicht gut laufen. Und da gibt es in der Tat ja viel: Der Lockdown, der auch zu Ungerechtigkeiten führt, die Impfstrategie, bei der es kräftig ruckelt, die massiven Einschränkungen, die irgendwann natürlich alle nur noch nerven, und natürlich all die Menschen, die sich anders als wir nicht an die Regeln halten.

Dinge, die wir kritisieren können, gibt es reichlich.

Und wir leben in einer Kritikgesellschaft. Schon in der Schule geht es darum, Fehler zu unterstreichen. Nicht das Gelingen wird belohnt, sondern das Scheitern bestraft. Läuft was gut, ist es nicht der Rede wert.

Ein schwäbisches Sprichwort sagt: Nicht geschimpft, ist genug gelobt. Schwäbische Sparsamkeit: Man spart sogar am Lob.

Das ist fatal und tut uns gar nicht gut. Denn wenn wir schimpfen, sind wir mit den unerwünschten Dingen und Ereignissen beschäftigt und bringen uns dadurch in schlechte Gefühlslagen. Denn es gilt die Regel: Die Dinge, auf die wir unsere Konzentration lenken, die dominieren auch unser Gefühl.

Wenn Sie an den Stress und den Familienstreit, die Arbeitsbelastung und die Coronabeschränkungen denken, werden sie – das ist hirnphysiologisch gar nicht anders möglich – auch mit den dazugehörigen Gefühlen konfrontiert – in der Regel sind das Erschöpfung, Ärger, Traurigkeit und Überforderung.

Aber es geht auch anders.

Und vielleicht kann uns das den Start in das Jahr 2021 versüßen. Denn stellen sie sich dagegen vor, welche schönen Dinge das Jahr für sie bereithält, erinnern sie sich an die Glücksmoment, die im kommenden Jahr auf sie warten, und denken sie an all die Möglichkeiten, die wir in unserem reichen, medizinisch top ausgestatteten Land haben, dann entwickeln sie automatisch positive Gefühle. Denn die Dinge, auf die wir unsere Konzentration lenken, die bestimmen auch unser Gefühl.

Deshalb seien sie nicht schwäbischer als die Schwaben, seien sie nie sparsam mit Lob. Wie wäre es mit einen Lobtagebuch, das Ihnen und Ihren Lieben den Start ins Jahr 2021 erleichtert?
Seien sie großzügig mit Ihrem Lob. Überraschen Sie Ihre Kollegen, Ihre Partner, Ihre Kinder und sich selbst mit einem freundlichen und wertschätzenden Blick und vielen lobenden Worten.

Danke, dass du heute gekocht hast – statt: Ich hätte eigentlich lieber Nudeln gegessen.

Schön, dass du da bist – statt: Warum kommst du schon wieder zu spät?

Wunderbar, dass du mir hilfst – statt: Wurde ja auch Zeit, dass ich nicht immer alles allein machen muss.

Mit solch einem freundlichen Blick stellt man auf einmal fest, wie schön unser Leben ist – mit all seinen selbstverständlichen Kleinigkeiten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein wunderbares neues und gesegnetes Jahr 2021

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