Warum das christliche Weltbild sich nicht mit dem astrologischen verträgt

Dr Dietrich Knapp
von Dr. Dietrich Knapp

Astrologie ist auch heute in unserer modernen Zeit für zahlreiche Menschen von Bedeutung. In vielen Zeitschriften werden regelmäßig Horoskope abgedruckt, die – mit mehr oder weniger großem Ernst – auch gelesen werden. Vielleicht kann man auf diesem Wege ja etwas über die eigene Zukunft erfahren. Die Astrologie sieht – so nachzulesen im Internetauftritt astro.com – „den Menschen nicht nur von Erbanlagen und Umwelteinflüssen geprägt, sondern auch vom Zustand unseres Sonnensystems zum Zeitpunkt seiner Geburt. … In der Interpretation und Synthese der einzelnen ‚Bestandteile‘ (Planeten), ihrer ‚Eigenschaften‘ (Elemente, Tierkreiszeichen, Häuser) und ihrer Dynamik untereinander (Aspekte) entwirft die Astrologie, ausgehend vom Geburtshoroskop, ein vollständiges, umfassendes Bild des individuellen Menschen und seines Entwicklungspotentials.“

Quelle: Venus am Sternenhimmel aleks-dahlberg-unsplash

Die Astrologie hat ihre Ursprünge unter anderem im alten Babylonien, sie ist damit mehrere tausend Jahre alt. Dort sind die Gestirne wie Mond (Sin), Sonne (Schamasch) oder Venus (Ischtar) als Gottheiten verehrt worden. Sie wurden von staatlicher Seite sowie im privaten Bereich verehrt und man musste sich gut mit ihnen stellen. Schließlich ging man davon aus, dass sie Einfluss auf das Wohlergehen der Menschen hatten. Da man eine gute und erfolgreiche Zukunft haben wollte, hatte man sich ihnen zu unterwerfen. Insofern waren sie für die Menschen von größter Bedeutung. Sichtbar wird das zum Beispiel an einer Stele, die den babylonischen König Nabonid (6. Jh. v. Chr.) zeigt. Rechts oben sind in Symbolen der Mond, die Sonne und die Venus zu sehen, die für die entsprechenden Gottheiten stehen. Die Stele ist so zu interpretieren, dass Sin, Schamasch und Venus vom König angebetet werden. Dadurch erhoffte er sich Unterstützung bei der Ausübung seines Amtes und eine erfolgreiche Zukunft seines Landes.

Quelle: Nabonid -Stele mit Gestirnen – public_domain

Diese drei Gestirnsgottheiten begegnen – meist ebenfalls in Form von symbolischen Abbildungen – auch auf kleinen Stempelsiegeln aus dem alten Israel. Die Menschen, die diese Siegel im Alltag als Amulette getragen haben, haben sich von den drei Gestirnen Hilfe und Unterstützung in ihrem Leben erhofft. Mond, Sonne und Venus würden für Gelingen und Erfolg in der Zukunft sorgen.

Es waren Priester und Schreiber, die dem etwas entgegengesetzt haben. Für sie war es der Gott Israels, der die Welt und damit auch die Gestirne geschaffen hatte. Nicht Mond, Sonne und Venus würden die Zukunft der Menschen bestimmen und beeinflussen, sondern allein der Gott Israels. Eindrucksvoll ist das in der ersten Schöpfungserzählung gleich am Anfang der Bibel nachzulesen (1. Mose 1,16-18): „Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne. Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten …“. Die Worte Sonne und Mond werden von den Schreibern gar nicht in den Mund genommen. Fast ein wenig verächtlich werden sie nur als großes und kleines Licht bezeichnet. Sie haben keinerlei religiöse Funktion, sie haben keinen Einfluss auf das Leben der Menschen und ihre Zukunft. Sie sind Größen, die von Gott geschaffen sind – nicht mehr. Es ist deutlich, dass die Schreiber sich hier deutlich positioniert haben. Verehrung von Gestirnen war für sie nicht denkbar. Es galt, nicht diese, sondern den Gott Israels anzubeten und von ihm Heil und Wohlergehen zu erhoffen. An anderen Stellen ist sogar eindringlich davor gewarnt worden, die Gestirne zu verehren (5. Mose 4,19): „Hebe … nicht deine Augen auf zum Himmel, dass du die Sonne sehest und den Mond und die Sterne, das ganze Heer des Himmels, und fallest ab und betest sie an …“. Es wird also bestritten, dass sie Einfluss auf das Leben der Menschen haben. Diese biblische Linie, die ihre Ursprünge im alten Israel hat, ist bis zum heutigen Tag auch für die christliche Theologie maßgebend. Sämtliche Gestirne, ja das Weltall als Ganzes ist Teil der Schöpfung Gottes. Es hat eine Größe und Komplexität, die bewundernswert ist. Es ist Aufgabe der modernen Wissenschaft, genauer gesagt der Astronomie und der Astrophysik, den Kosmos mit den ihnen zur Verfügung stehenden Methoden zu erforschen und zu verstehen. Wer sich damit beschäftigt, kommt in der Regel aus dem Staunen nicht heraus. Einen Einfluss der Gestirne auf das Leben und die Zukunft der Menschen gibt es nach dem christlichen Welt- und Menschenbild jedoch nicht. Diese christliche Sicht der Dinge verträgt sich daher nicht mit der Astrologie.

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